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Punktwolken importieren: ArchiCAD, Revit & AutoCAD – der Praxis Guide

Praxis-Guide für Architekten & Planungsbüros: Formate, Einstellungen, Stolperfallen beim Punktwolken-Import in ArchiCAD, Revit & AutoCAD. Konkret & umsetzbar.

Punktwolken importieren – klingt simpel, oder?

Du hast einen 3D-Laserscan bekommen, die Dateien liegen auf deinem Rechner, und jetzt willst du damit arbeiten.

Aber dann: Welches Format brauchst du? Welche Einstellungen sind wichtig? Und warum sind die Dateien mehrere Gigabyte groß?

Dieser Guide zeigt dir Schritt für Schritt, wie du Punktwolken in ArchiCAD, Revit und AutoCAD nutzt. Konkret, ohne Umwege: Welche Formate es gibt, welche Einstellungen funktionieren, und wo die typischen Stolperfallen lauern.

Welche Dateiformate gibt es – und welches brauchst du?

Punktwolken kommen in verschiedenen Formaten. Die gängigsten bei uns:

.e57 mit Panoramen – das Standardformat. Enthält die Punktwolke plus 360°-Fotos von jedem Scanstandpunkt. Du siehst nicht nur geometrische Punkte, sondern auch Texturen, Farben und Details der realen Räume. Das nutzen wir am häufigsten.

.e57 ohne Panoramen – gleiche Punktwolke, ohne Fotos. Etwas kleiner, dafür weniger visueller Kontext.

.las – kompakter als .e57, meist ohne Farbinformationen. Funktioniert gut, wenn’s nur um Geometrie geht (Wände, Decken, Maße).

.rcs – Autodesk-Format für Revit und AutoCAD. Wir können direkt dorthin exportieren.

Weitere Formate wie .ply, .pod oder .xv2 sind technisch möglich, in der Praxis aber selten nötig.

Praxis-Tipp: Wir exportieren standardmäßig .e57 mit Panoramen. Brauchst du ein anderes Format? Sag Bescheid – wir konvertieren entsprechend.

Punktwolken in ArchiCAD importieren – so funktioniert’s

ArchiCAD nutzen unsere Kunden am häufigsten. Deshalb hier die Details:

Ohne BIMmTool (Basis-Version)

ArchiCAD kann von Haus aus .e57 und .xyz importieren. Das funktioniert für kleinere Projekte, stößt aber bei größeren Punktwolken an Grenzen: Performance-Probleme, weniger Kontrolle über Auflösung und Blockaufteilung.

Für größere Projekte brauchst du das BIMmTool.

Mit BIMmTool (erweiterte Funktionen)

Das BIMmTool erweitert ArchiCAD um professionelle Punktwolken-Funktionen. Es unterstützt mehr Formate (.e57, .las, .laz, .lps, .lgsx, .lsproj, .gsm) und gibt dir Kontrolle über Import-Einstellungen.

So importierst du:

  1. ArchiCAD öffnen → „Datei“ → „Importieren“ → Punktwolke auswählen

  2. Import-Dialog öffnet sich

Import-Dialog in ArchiCAD mit BIMTool – diese Einstellungen sind wichtig.

Wichtige Einstellungen im Dialog:

Maximale Auflösung: 2 mm
Das ist die feinste sinnvolle Einstellung – für präzise Details. Bei großen Projekten (Hotels, Industrieanlagen) kannst du auf 5 mm oder gröber gehen, um Performance zu sparen. Für die meisten Fälle reichen 2–5 mm.

In Geschoße teilen: Ja
Bei mehrgeschossigen Gebäuden aktivierst du das. ArchiCAD teilt die Punktwolke automatisch nach Ebenen auf – das entlastet deinen Rechner.

In Blöcke aufteilen: Ja
Die Punktwolke wird in kleinere Bereiche zerlegt. ArchiCAD lädt dann nur die Blöcke, die du gerade siehst. Spart Performance.

Koordinaten-Einstellungen:
Standard: „Scanprojekt-Koordinaten“. Wenn du mehrere Scans zusammenführst oder mit Vermessungsdaten arbeitest, wählst du „Vermessungspunkt-Koordinaten“. Ansonsten kannst du das ignorieren.

Die importierte Punktwolke in ArchiCAD – bereit für die Planung.

Typische Stolperfallen

Punktwolke versehentlich verschoben:
Ein versehentlicher Klick, und die Punktwolke liegt nicht mehr an der richtigen Stelle. Problem: Sie ist dann nicht mehr georeferenziert. Wenn du später weitere Scans importierst, passen sie nicht mehr zusammen.

Tipp: In ArchiCAD die Punktwolke sperren, sobald sie korrekt platziert ist.

Auflösung zu fein gewählt:
Wenn dein PC bei jedem Zoom ruckelt, hast du vermutlich die Auflösung zu fein eingestellt. Bei großen Projekten reichen 5 mm – du brauchst nicht immer die feinsten 2 mm.

Koordinaten-Einstellungen nicht einheitlich:
Wenn du mehrere Scans hast (z.B. Erdgeschoss und Obergeschoss separat gescannt), müssen die Koordinaten-Einstellungen bei allen Importen identisch sein. Sonst landen die Scans an verschiedenen Stellen im Projekt.


Praxis-Beispiel

Bei einem Hotel in Kärnten haben wir die Punktwolke mit alten Bestandsplänen verglichen. Ergebnis: Wände waren deutlich versetzt, Raumhöhen stimmten nicht, und bauliche Elemente waren im Plan nicht korrekt eingezeichnet.

Ohne die Punktwolke hätte das Planungsbüro auf Basis der ungenauen Pläne gearbeitet – Planungsfehler und Mehrkosten wären die Folge gewesen. Die Punktwolke hat die Abweichungen sichtbar gemacht, bevor gebaut wurde.

Punktwolken in Revit & AutoCAD nutzen

Revit

Revit arbeitet mit Autodesk ReCap Pro. Punktwolke in ReCap öffnen, als .rcs oder .rcp exportieren, in Revit importieren – fertig.

Wir arbeiten selbst mit ArchiCAD, können dir die Daten aber in jedem benötigten Format liefern. Brauchst du .rcs? Sag Bescheid, wir exportieren entsprechend.

AutoCAD

AutoCAD nutzen unsere Kunden seltener. Die meisten arbeiten in 2D und leiten aus der Punktwolke Grundrisse ab. Der Import funktioniert über ReCap Pro – wie bei Revit.

Wie groß sind die Dateien – und brauche ich einen High-End-PC?

Dateigrößen (typische Beispiele):
Ein- oder Mehrparteienhaus: 5–10 GB (.e57)
Hotel oder Industrieanlage: 20+ GB

Die Größe hängt ab von:
Objektgröße, Anzahl der Panoramen und Format (.las ist kompakter als .e57).

Hardware-Anforderungen:
Du brauchst keine High-End-Workstation, aber solide Hardware hilft. Konkret: 16+ GB RAM bei größeren Projekten, eine dedizierte Grafikkarte (integrierte Intel-Grafik wird bei 20 GB eng), und eine SSD statt HDD für kürzere Ladezeiten.

Richtwert: Wenn dein Rechner bei 10-GB-Projekten flüssig läuft, bist du für die meisten Fälle gut aufgestellt.

Typische Fragen von Architekten

„Wie lange dauert der Import?“
Wenige Minuten. Abhängig von Dateigröße und deinem Rechner.

„Wann bekomme ich die Punktwolke nach dem Scan?“
In der Regel innerhalb von 72 Stunden. Bei sehr großen Objekten kann es länger dauern – das besprechen wir vorher.

„Kann ich nachträglich in der Punktwolke messen?“
Ja. Die Räume sind dreidimensional erfasst – du kannst jederzeit Abstände, Höhen oder Winkel nachmessen.

„Sehe ich auch Wand- und Deckenaufbauten?“
Nein. Der Laserscan erfasst nur sichtbare und zugängliche Flächen. Was hinter der Wand oder unter dem Putz steckt, bleibt unsichtbar.

„Muss das Gebäude leer sein?“
Nein. Wir scannen auch bewohnte oder möblierte Räume – die Punktwolke zeigt dann eben auch die Einrichtung. Ein paar Dinge helfen aber für optimale Ergebnisse:

  • Alle Räume müssen zugänglich sein (verschlossene Türen = keine Daten)

  • Beleuchtung sollte funktionieren (oder ausreichend Tageslicht durch Fenster)

  • Vermeide versperrte Bereiche – wenn Möbel oder Kisten den Weg blockieren, können wir diese Stellen nicht perfekt erfassen

  • Optimal: Räume frei von Einrichtung

Vorher / Nacher – so sieht’s aus

Das Gebäude vor dem Laserscan.
Die Punktwolke in ArchiCAD – Grundriss-Ansicht, bereit für die Planung.

Oben das reale Gebäude, unten die Punktwolke in ArchiCAD. Jeder Raum, jede Wand – erfasst und messbar.

Du willst sehen, wie der Import in deiner Software funktioniert?

Wir haben Demo-Videos, die den Prozess Schritt für Schritt zeigen – für ArchiCAD, Revit und AutoCAD.

Laserscan Schulungsvideos

Über den Autor

Stefan Antonitsch

Experte für intelligentes Bauen im Tourismus

Als Bauingenieur mit über 20 Jahren Erfahrung vereint Stefan Antonitsch Architekturplanung, Bauleitung und modernste 3D-Laserscanning-Technologien. In seinen Blogartikeln auf baukreis.at teilt er praxisnahes Wissen und innovative Lösungen für nachhaltiges, effizientes Bauen in der Tourismuswirtschaft & Hotelerie.